Ein Haus mit Geschichte

Manche Häuser sind mehr als Mauern und Räume. Sie tragen Geschichten in sich. Auch das Haus Gardenia in Caslano, aus dem einmal Casa Ennaya werden könnte, ist ein solcher Ort.

Schwarzweiss-Aufnahme des Hauses von 1936: ein dreigeschossiger Palazzo mit Walmdach hinter einem Gartenzaun, davor kahle Bäume, im Hintergrund ein Hügel.

Die Casa del Prevosto, heute Gardenia, im September 1936. Foto: Vincenzo Vicari, Archivio Storico della Città di Lugano, Signatur T1 86.

Die Casa del Prevosto, heute Gardenia, im September 1936. Foto: Vincenzo Vicari, Archivio Storico della Città di Lugano, Signatur T1 86.

Was es erzählt

Von 1912 bis 1934 lebte in diesem Haus eine Gemeinschaft von Canossianerinnen aus Pavia («Töchter der Liebe»). Es hiess damals Casa del Prevosto und war das Pfarrhaus von Caslano – belegt im Archiv der Stadt Lugano.

Vieles über die Zeit davor wissen wir nicht. Das Haus selbst hat erzählt, es sei aus den Mauern eines ehemaligen Klosters entstanden, und ältere Unterlagen nennen 1750 als Baujahr. Wir suchen weiter und freuen uns über jeden Hinweis aus Caslano.

Eines aber steht fest: Vor hundert Jahren war dieses Haus schon einmal ein Ort, an dem Menschen in Gemeinschaft lebten und zugleich Raum für Rückzug und Stille fanden.

Speisesaal des Hotels: gedeckte Tische mit weissen Tischtüchern unter Gewölbebögen, im Hintergrund ein Frühstücksbuffet.

Ein Haus für Gäste

Spätestens seit den 1960er-Jahren ist an dieser Stelle ein Hotel dokumentiert: die Villa Garni Gardenia. Seither war es ein persönlich geführtes Haus, eingebettet in einen grosszügigen Garten, mit Grotto, Pool und Park. Gäste kamen nach Caslano, um sich zu erholen und das Tessin zu geniessen.

1995 wurde das Haus umfassend renoviert, später folgten weitere Erneuerungen. Bemerkenswert ist, wie die Gardenia ihre Identität selbst beschrieb: Ruhe, Rückzug, Inspiration, Natur.

Naturpool im Garten mit einem grossen Felsblock am Rand, dahinter Bäume und bewaldete Berge unter blauem Himmel.

Ein Kapitel endet

Ende 2025 ging der Hotelbetrieb zu Ende – ein Kapitel, das sich über viele Jahrzehnte erstreckte. 2026 wurde das Anwesen zum Verkauf angeboten. Damit stellt sich eine neue Frage: Was könnte als Nächstes an diesem Ort entstehen?

Helles Hotelzimmer mit Doppelbett, geblümter Tagesdecke und Vorhängen, dahinter eine grosse Glasfront mit Blick nach draussen.

Ein neues Kapitel

Wir glauben, dass das Gebäude eine neue Bestimmung finden kann, ohne seine Geschichte zu verlieren. Zumindest von 1912 bis 1934 lebten hier schon Menschen in einer Gemeinschaft. Später kamen Menschen aus aller Welt als Gäste. Und vielleicht werden eines Tages wieder Menschen hier leben – jede und jeder für sich und doch miteinander verbunden.

Die Nutzung verändert sich, die Zeit verändert sich. Doch möglicherweise zieht sich eine Idee durch die Geschichte dieses Ortes: ein Haus, in dem Menschen zusammenkommen und zugleich Raum finden, ganz bei sich selbst zu sein.

Vielleicht beginnt hier die nächste Geschichte dieses Hauses!